Wie kamen wir zu unserem „Karriere-Käfig“ und kann daraus ein „Freilandgehege“ werden?


Gestern bin ich mitten in der Nacht aufgewacht mit Höllenschmerzen im Nacken. Schmerzen, die dafür sorgten, dass ich meine Arme nicht mehr bewegen konnte. Es geht mir heute schon besser. Aber was mir die Erfahrung vor Augen geführt hat, war, dass das Leben jederzeit durch einen Schicksalsschlag durcheinandergebracht werden kann und dass man Dinge nicht vor sich herschieben sollte, so als würde man ewig leben.
Als ich so dalag und mich nicht bewegen konnte, wie ein Käfer der auf dem Rücken liegt und mit den Beinchen strampelt, gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf.
Eine Frage, die mir während der Stunden absoluter Angst durch den Kopf ging, war, wann wurden wir eigentlich dazu, was wir heute sind?
Wie kam es dazu, dass wir daran glauben, dass Vollzeitanstellung der einzig lebenswerte Weg ist?

Schließlich werden wir nicht so geboren, sondern werden dazu erzogen. Von der Grundschule zur Haupt- oder Realschule, zum Gymnasium oder zur Gesamtschule. Danach in eine Ausbildung, zur Bundeswehr oder Zivildienst oder zum Studieren. Wieso eigentlich wird jede Kreativität und Andersartigkeit vom System im Keim erstickt? Schüler, die sich bewusst gegen das Abitur und zur Ausbildung als Krankenschwester entscheiden, werden belächelt. Wieso ist das so? Ist es der Neid der Mitläufer? Derer, die gerne ihre Leben ändern würden, sich aber nicht dazu in der Lage fühlen, gegen den Strom zu schwimmen? Derer, die ihre Träume und Ideale vor langer Zeit begraben haben?

Die Frage hat mir keine Ruhe gelassen und so bin ich bei meiner Internetrecherche auf Seth Godin gestoßen.:

Nachzulesen unter: Seth Godin-Brainwashed -seven ways to reinvent yourself – www.sethgodin.com/sg/docs/brainwash.pdf)

Years ago, when you were about four years old, the system set out to persuade you of something that isn’t true.

Not just persuade, but drill, practice, reinforce and, yes, brainwash.

The mission: to teach you that you’re average; That compliant work is the best way to a reliable living; That creating average stuff for average people, again and again, is a safe and easy way to get what you want.

Step out of line and the system would nudge (or push) you back to the center. Show signs of real creativity, originality or even genius, and well-meaning parents, teachers and authority figures would eagerly line up to get you back in line.

Our culture needed compliant workers, people who would contribute without complaint, and we set out to create as many of them as we could.

And so generations of students turned into generations of cogs—factory workers in search of a sinecure. We were brainwashed into fitting in, and then discovered that the economy wanted people who stood out instead.

When exactly were we brainwashed into believing that the best way to earn a living is to have a job? I think each one of us needs to start with that.“

Er sagt außerdem:

“Is that it? Are you done? Is this the end of the road, the best it’s going to get, the beginning of the end?

Same job, but more work, less pay.

Same industry, but less growth, no challenges.

Same path, fewer options.

It’s entirely possible that you’ve trudged as far as you can go on this road, and that the slog is just going to be more of the same. Possible.

But I don’t believe it.

Why?

Because there’s more leverage, more degrees of freedom and more opportunity today than ever before—if you’re up for the choice.”

Je mehr ich mich in das Thema einlese, desto überraschter bin ich. Viele renommierte Autoren und Vordenker beschäftigen sich bereits seit Langem mit dem Thema der neuen Arbeitsformen.
Bis jetzt hat mich mein Umfeld immer glauben lassen, dass ich die Einzige bin, die nach etwas sucht, die mehr vom Leben will und die verdammt noch mal aus dem Karrierekäfig ausbrechen möchte ohne finanzielle Risiken.
Je länger ich die verschiedenen Verdienstmöglichkeiten recherchiere, desto klarer wird mir, dass es DIE Karriere nicht gibt. Wie soll das schließlich gehen? Soll ich tatsächlich heute die eine aufregende Karriere finden, die mich mein Leben lang glücklich machen wird? Das wäre genauso, als würde ich mir heute ein Sofa kaufen, das mir bis an mein Lebensende gefallen wird. Dies ist sehr unwahrscheinlich. Geschmäcker ändern sich genauso wie Vorlieben, Lebensstile und Interessen. Menschen entwickeln sich weiter, zum Glück!
Deshalb kann man, wenn man in „Freilandhaltung“ gehen möchte, nicht für 5 Jahre im Voraus planen. Der Anspruch, die EINE super Idee zu finden, setzt einen zu sehr unter Druck und führt dazu, dass man blockiert.
Die Kreativität wird gestört und man dreht sich im Kreis. Das Resultat ist, dass man das tut, was man immer getan hat. In meinem Umfeld gehören etwa 90% der Menschen in diese Kategorie. Die anderen 10% irren genauso wie ich umher, um die EINE Lösung zu finden.

Es geht eher darum, herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen und sich zu überlegen, was macht mir Freude, was mache ich gerne. Dann aber weiter in die Tiefe gehen. Wieso gefällt mir das? Wieso erfüllt mich das? Analysiere ich gerne Zahlen? Möchte ich also mit Zahlen arbeiten oder ist es die Analyse und das Finden der Begründungen, die mir Spaß machen. Nur weil mir Schauspielern Spaß macht, muss ich nicht unbedingt eine Schauspielerin werden. Was genau macht mir daran Spaß? Ist es, vom Publikum gefeiert zu werden oder einfach die Tatsache, dass ich mich gerne vor Zuschauern ausdrücke. Diese Vorlieben können dann auf etliche verschiedene Beschäftigungen übertragen werden. Vielleicht macht es mir zum Beispiel dann auch Spaß, vor einem Publikum eine Rede zu halten.
Man muss aufhören, in einer Box zu denken, flexibel verschiedene Möglichkeiten durchdenken und auch ausprobieren.
Es ist unwahrscheinlich, dass die erste Idee auch in fünf Jahren noch genauso aussehen wird wie heute. Diese wird sich über die Jahre anpassen und immer mehr an den eigenen Stärken orientieren. Die eigene Karriere, die zu einem passt selbst zu kreieren, ist ein Prozess, genauso wie es ein Prozess ist, die eigenen Leidenschaften zu entdecken und zu entwickeln.

Hat man einmal seine Stärken identifiziert, dann geht man dazu über, eine Geschäftsidee um diese Stärken herum, zu kreieren.
Man sollte mit Schritt eins beginnen und sich überlegen, welchen Lebensstil man haben möchte? Zuerst muss man klar vor Augen haben, wie man leben möchte. Möchte man in einem Büro arbeiten, so viel Zeit wie möglich von zu Hause aus arbeiten, in einem Park, in Cafés oder will man so flexibel sein, dass man von überall auf der ganzen Welt aus arbeiten kann?
Es ist ein schwieriger Weg, aus dem Käfig, der einem über die Jahre hinweg übergestülpt wurde, auszubrechen. Aber die vielen Menschen, die dies bereits gemacht haben, zeigen, dass es möglich ist.
Da denke ich zum Beispiel an die Geigenlehrerin, die über Skype von der ganzen Welt aus Geigenunterricht erteilt, oder der Berater, der seine Kunden vom Strand in Thailand aus berät. Der Investmentbanker, der heute ein glücklicher Masseur ist oder die Anwältin, die heute als Yogalehrerin arbeitet. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.
Der Unterschied zwischen den Menschen, die Ihr Leben selber bestimmen und zwischen denen, die es bestimmen lassen, ist simpel.

Die erste Gruppe hat die Entscheidung getroffen, Ihr Leben selber zu bestimmen.

Das ist der einzige Unterschied. Die erste Gruppe hat weder Superkräfte, noch ausgefallene Talente, noch sind die Menschen der ersten Gruppe intelligenter oder privilegierter.
Nein, sie haben sich lediglich entschieden.

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