Karriere-Käfig, Karrierekäfig oder Hamsterrad- was auch immer


Wow, soeben habe ich nach dem Wort „Karriere-Käfig“ gegoogelt und war erstaunt. Mein Blog kommt an erster Stelle.

Gibt es das Wort etwa nicht? Habe ich soeben ein Wort kreiert oder gibt es eine offizielle Bezeichnung für den Zustand, von dem ich die ganze Zeit rede? Hamsterrad wäre auch passend.

Wisst Ihr, was ich mit dem Wort meine?

Jeder, der ähnlich empfindet, kann sich direkt etwas unter dem Wort vorstellen. Andere, die sich wohl in ihrem Käfig fühlen, werden nur den Kopf schütteln. „Karrierekäfig“ kam mir so selbstverständlich in den Kopf, dass ich dachte, es sei ein allseits bekannter Begriff. Offensichtlich nicht. Ich lebe wohl schon zu lange im Ausland.

Mit Karriere-Käfig bringe ich alles in Verbindung, was mit Durchschnittlichkeit zu tun hat. Die Entscheidung, ein durchschnittliches Leben zu führen. Nein, versteht mich nicht falsch, ich habe mir nicht vorgenommen, berühmt zu werden und verurteile die durchschnittliche Lebensweise nicht. Ich bewundere Menschen, die zufrieden sind.

Ich glaube einfach nicht, dass das Leben dazu da ist, wozu man es nutzt, wenn man sich für den Durchschnitt entscheidet.

Das Durchschnittsleben schlechthin:

Schulabschluss – tick – abgehakt

Studium- tick- abgehakt

Arbeiten bis zum Umfallen – tick – abgehakt

Einen lebenslangen Kredit aufnehmen – tick- abgehakt

Ein eigenes Haus kaufen – tick – abgehakt

Ein dickes Auto fahren – tick- abgehakt

Heiraten- tick- abgehakt

Die heile Familie spielen – tick – abgehakt

Lückenloser Lebenslauf – tick – abgehakt

Einmal im Jahr einen All-Inklusive Urlaub buchen – tick – abgehakt

UND DANN?

Wenn man dann, nachdem man alles, was von einem erwartet wird, abgehakt hat, immer noch unzufrieden ist, dann weiß man, was ein Karrierekäfig ist. Dann stellt man fest, dass man die ganze Zeit über nur gemacht hat, was von einem erwartet wurde. Ob bewusst oder unbewusst. Von klein an werden wir in Richtungen gelenkt, Erwartungen werden eingetrichtert, auch ganz unbeabsichtigt. Das ist ganz normal und nicht zu vermeiden. Eltern meinen es immer irgendwie gut. Aber meist verfolgen sie Ziele, die sie für gut halten, und nicht die Träume der Kinder. So geht der ein oder andere Traum über die Jahre verloren. Beginnt man dann irgendwann wieder, danach zu suchen, wird es schwierig. Oft stellen finanzielle Verpflichtungen ein Hindernis dar. Ständig findet man Ausreden, warum man sich mit dem Leben arrangieren sollte. Für manche Menschen ist dieser Zustand schwerer zu ertragen als für andere.

Viele meiner ehemaligen Kollegen haben sich damit abgefunden und erwarten nicht mehr vom Leben. Denen reichen die 20 Tage Urlaub im Jahr, ein unerfülltes Privatleben und ein wöchentliches Saufgelage. Es gibt immerhin Seifenopern, mit denen man sein Leben ein wenig aufregender gestalten kann.

Was einen wirklich interessiert kann man ja bis zur Rente an den Nagel hängen oder man lebt mit dem ewigen Traum, dass man irgendwann im Lotto gewinnen wird. Manche Menschen, und es werden immer mehr, realisieren jedoch, dass das Leben jetzt stattfindet, und nehmen sich vor, endlich in die richtige Richtung zu laufen. Auch wenn der Käfig noch so schwierig zu öffnen ist, es gibt immer einen Ausweg. Zu meinem Ausweg demnächst mehr.

Back-up-Pläne? Lieber nicht!


O. k., es macht Angst, einen gut bezahlten Job hinter sich zu lassen und seinen Kontostand Monat für Monat schrumpfen zu sehen.

Es gibt sicher Menschen, die einem sicheren Job nachgehen können, den sie, nebenbei gesagt, hassen und gleichzeitig darüber nachdenken können, was sie in ihrem Leben eigentlich erreichen wollen.

Bis jetzt hatte ich immer einen Back-up-Plan, heute zum ersten Mal nicht. Und es geht mir gut damit. Endlich höre ich auf, Jobanzeigen von Jobs zu durchforsten, die mich sowieso nur unglücklich machen würden.

Ich lehne Vorstellungsgespräche direkt ab und diskutiere schon gar nicht mehr mit Headhuntern. Zum ersten Mal bin ich komplett darauf fokussiert, was ich will.

Das erleichtert einiges, macht aber gleichzeitig Angst.

Die Miete muss bezahlt werden, der Kühlschrank füllt sich auch nicht von alleine. Also rechnet man die ganze Zeit, wie lange das Geld noch ausreichen wird. Ich bewundere Menschen, die einem Job nachgehen können, den sie hassen und trotzdem an Ihren Zielen arbeiten können.

Wenn dies für Euch funktioniert, würde ich gerne von Euch hören.

Mich hat es bis jetzt immer in eine Sackgasse geführt.

Dann irgendwann nach ein bis zwei Jahren fühlte ich mich in eine Ecke gedrängt, sodass ich mich immer wieder mit einem großen Knall freikämpfen musste.

Für mich ist es bereits ein Vollzeitjob danach zu suchen, was mich erfüllen würde.

Einen Plan B nebenher zu unterhalten würde mich schlichtweg überfordern.

Back-up-Pläne haben mich immer dazu verleitet, mich mit einem Mittelmaß abzugeben und mich mit einer Situation zu arrangieren, die ganz und gar nicht meinen Vorstellungen entsprach.

In jedem noch so traurigen Job kann man etwas Positives finden und sich einreden, dass man damit glücklich ist. In meinem letzten Job war es die Tatsache, dass man mich mehr oder weniger in Ruhe ließ und ich in Jeans arbeiten durfte. Wie traurig ist das bitte? Dies sind die zwei Punkte, die mir an meinem letzten Job am besten gefallen haben.Der gute Verdienst und die vielen Boni haben mich nicht mal wirklich interessiert.

Einen Plan B zu haben kostet verdammt viel Energie und man kann seine Energie nicht in seine wirkliche Leidenschaft stecken. Also einerseits ein Ziel zu verfolgen und anderseits über einen Plan B nachzudenken, funktioniert für mich nicht.

Das führt nur dazu, dass ich sobald es schwierig wird, auf Plan B ausweiche und meine Ziele wieder aus den Augen verliere. Mein Lebenslauf spricht für sich.

In der Vergangenheit bin ich immer davon ausgegangen, dass ein Back-up-Plan einem ein Gefühl von Sicherheit gibt. Das ist aber meiner Erfahrung nach falsch.

Ein Back-up-Plan schwebt wie ein Damoklesschwert über einem. Den Plan B zu gehen, wäre eine Niederlage und ein Zugeständnis, das ich nicht mehr bereit bin, zu machen. Bei den Back-up-Plänen handelt es sich sowieso meist um Jobs, die einfach zu haben sind und die jeder machen kann. Ein sicheres, schnelles Einkommen. Also wieder zurück in die verrückte Welt, wo jeder Arbeiter leicht ersetzbar ist und die Besonderheit jedes Einzelnen nie durchscheint. Weil wenn man zu besonders wird, dann bekommen die Vorgesetzten schnell Angst und man wird in seine Schranken gewiesen. Bloß nicht zu gut sein.

Deshalb taugen Back-up-Pläne für mich ab heute nichts mehr.

Auch wenn der Gedanke in den letzten Jahren immer beruhigend war. Zum ersten Mal weiß ich, dass ich nicht mehr zurückgehen kann. Ich weiß nun ganz genau, wie mein Lebensstil aussehen soll und ein vollgepacktes Büro und eine stundenlange Anfahrt zum Büro haben darin keinen Platz.

Was denkt Ihr über Back-up-Pläne und habt Ihr welche?

Ein seltsamer Tag – und hört endlich auf, Dinge vor Euch herzuschieben


Ein verwirrender Tag, an dem ich mir soviel vorgenommen habe aber nichts davon gemacht habe.

Kennt Ihr das?

Ich bin eigentlich niemand, der Dinge vor sich herschiebt, aber denke mal, dass es in der jetzigen Lebensphase ganz normal ist.

Ich habe mich mal wieder in all den vielen Informationen im Internet verloren, denke aber, dass ich meinem Ziel einen kleinen Schritt näher gekommen bin. Am Ende fällt doch alles an seinen Platz.

Es schockiert mich, dass es auf englischen und amerikanischen Webseiten nur so von Leuten mit ähnlichen Ideen wimmelt, dass ich jedoch in Deutschland noch keinerlei dieser Bewegungen finden konnte.

Woran liegt das?

Immerhin sind doch so viele Menschen unzufrieden mit Ihrem Berufsleben/Leben.

Entweder verstecken sich die Webseiten besonders gut oder es gibt sie nicht.

Hier ist eine, die mich zum ersten Mal realisieren lies, dass ich nicht die Einzige bin, die aus dem Karrierekäfig ausbrechen will und endlich machen möchte, was Erfüllung bringt.

http://www.escapethecity.org/pages/welcome

Großartige Webseite mit tollen Inspirationen. Vor allem die „Hero-Geschichten“ gefallen mir.

Liest Ihr diese und denkt, man das will ich auch, dann ist es Zeit, etwas dafür zu tun. Das perfekte Leben wird Euch nicht zufliegen.

Wenn Ihr Dinge vor Euch herschiebt und denkt, ja, später ist ja auch noch ein Leben. Dann ist es irgendwann zu spät.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Gibt es eine Aufgabe, die Ihr eigentlich jetzt erledigen solltet, Ihr sie aber aus irgendeinem Grund vor Euch herschiebt? Jeder tut das!

Plötzlich putzt man dann freiwillig die Wohnung oder bügelt alle Hemden, die man finden kann.

Überlegt Euch:

  1. Mache es so schnell wie möglich, sodass Du keine Zeit hast darüber nachzudenken. Das ist vor allem für neue Ideen geeignet. Kennt Ihr das? Ihr habt diese tolle Idee und dann kommen die Zweifel. Setzt die Idee direkt um, ohne nachzudenken, oder zumindest einen Teil davon. Und redet am besten erst mal mit niemandem darüber, sonst bekommt Ihr noch mehr Gegenargumente geliefert. Ich bin überzeugt, dass 99% der besten Ideen hier bereits gekillt werden.
  2. Überlegt euch, warum Ihr die Aufgabe vor Euch herschiebt. Wollt Ihr diese wirklich tun oder sind es andere Dinge, die Euch dazu antreiben. Denkt Ihr, dass es von Euch erwartet wird? Dann solltet Ihr vielleicht über eine neue Aufgabe nachdenken und die, die Ihr die ganze Zeit vor Euch herschiebt, vergessen. Es wird nur funktionieren, was Ihr wirklich wollt. Und das könnt nur Ihr wissen. Was entfacht dieses Feuer in Euch?
  3. Habt Ihr Angst vor dem riesigen Berg? Dann teilt ihn in Etappen ein. Trennt die Aufgaben in kleine Teilaufgaben und erledigt diese nacheinander. Das hilft oft den hohen Berg zu erklimmen. Wenn Ihr erst mal oben seid, fragt Ihr euch, wieso Ihr nur so lange damit gewartet habt.

Work-Life Balance – Was ist das? Und wo kann ich die kaufen?


Auch wenn Work-Life Balance gerade in aller Munde ist, konnte ich keine zufriedenstellende Definition finden. Geschweige denn eine Lösung dafür, wie man diese Work-Life Balance denn erreichen kann. Davon abgesehen ist die Balance sehr individuell. Was für den Einen eine gute Balance ist, ist für den Anderen immer noch nicht zufriedenstellend. Jeder Mensch hat andere Ansprüche und Bedürfnisse, darum können Arbeitgeber bei der Herstellung der richtigen Balance kaum hilfreich sein.

– ausgewogenes Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend definiert:

»Work-Life-Balance bedeutet eine neue, intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben vor dem Hintergrund einer veränderten und sich dynamisch verändernden Arbeits- und Lebenswelt.

Betriebliche Work-Life-Balance-Maß- nahmen zielen darauf ab, erfolgreiche Berufsbiografien unter Rücksichtnahme auf private, soziale, kulturelle und gesundheitliche Erfordernisse zu ermöglichen.«

Meine favorisierte Definition stammt von Schmoldt:

»Wenn Menschen eine Balance zwischen dem Arbeitsleben und dem Leben außerhalb der Arbeitswelt anstreben, sei es in der Familie, in einer partner- schaftlichen Beziehung oder für politisches, soziales oder kulturelles Engage- ment, so geht es ihnen um ein sinnvolles Leben, das nicht allein durch die Ar- beit erfüllt wird.«

Wie dieses Verhältnis auszusehen hat, entscheiden bis jetzt aber immer noch die Arbeitgeber. Und darauf, dass diese das Beste für den Arbeitnehmer wollen, kann man lange warten. Man muss realistisch bleiben.

Und blicken wir den Tatsachen einmal ins Auge. Arbeitgeber sind keine Wohltäter.

Deren Aufgabe ist es, von jedem einzelnen Angestellten so viel Leistung wie möglich erwarten, zu möglichst geringen Kosten.

Ansätze wie Teilzeitarbeit, Auszeit, flexible Arbeitszeitmodelle und so weiter sind schon mal ganz gute Ansätze, werden aber das grundsätzliche Problem nicht lösen.

Manche Berufe bringen es einfach mit sich, dass man lange Stunden bei der Arbeit verbringen muss und andere Bedürfnisse auf der Strecke bleiben.Kommt der Mensch jedoch außer Balance, dann läuft er Gefahr, krank zu werden. Die steigenden Prozentzahlen bei psychischen Erkrankungen sprechen für sich.

Der Wettlauf, wer als reichste Person im Grab ankommt, scheint nicht mehr genug zu sein.

Eine inspirierende und humorvolle Rede zu dem Thema gibt es unter http://www.ted.com von Nigel Marsh: How to make work-life balance work“

Seine interessanten Feststellungen:

Um in den richtigen Gemütszustand zu kommen, solltet Ihr Euch erstmal Euer trauriges, aus dem Gleichgewicht geratenes Leben vor Augen führen.

1. Viele Menschen reden viel Blödsinn zum Thema Work-Life Balance und all die tollen Erfindungen wie „dress down Fridays“ und „After Work Drinks“ beseitigen das Problem nicht, sondern maskieren es. Und sorgen zusätzlich dafür, dass man noch mehr Zeit, bei der Arbeit oder mit den Kollegen verbringt.

Realität:

„Tausende Menschen führen ein verzweifeltes Leben, in dem sie viel zu lange und viel zu hart arbeiten, in Jobs, die sie hassen, um sich Dinge kaufen zu können, die sie benötigen, um Menschen zu beeindrucken, die Sie nicht mögen.“

2. Regierungen und Unternehmen werden diese Probleme nicht für uns lösen. Wenn wir unser Leben nicht selber entwerfen, dann werden die es für uns tun. Und die Chancen stehen gut, dass Euch dieses Leben nicht gefallen wird. (sonst würdet Ihr diesen Artikel nicht lesen)

Legt die Qualität Eures Lebens niemals in die Hände eines Unternehmens.

„Abattoirs Of The Human Soul“, nennt Nigel Marsh die Unternehmen. (Schlachthöfe der menschlichen Seele)

3. Wir sollten realistisch bleiben bei unserer Vorstellung von der perfekten Balance. Alles auf einmal und an einem Tag geht nicht.

4. Die Herangehensweise sollte ebenfalls in gewisser Balance vor sich gehen. Sich im Fitnessstudio anzumelden, macht eine „Büroratte“ nicht unbedingt ausbalancierter, sondern macht die „Büroratte“ lediglich etwas sportlicher. (Falls diese wider Erwartens auch ins Studio geht und sich nicht nur anmeldet)

Es gibt so viele weitere Aspekte, die zu einem ausbalancierten Leben dazugehören:

– intellektuelle Seite

– emotionale Seite

– professionelle Seite

– spirituelle Seite

Jeder ist selber dafür verantwortlich, diese Balance für sich selbst zu definieren und zu finden.

Ihr solltet auf keinen Fall darauf vertrauen, dass sich jemand anderes für Eure Balance einsetzt.

Wie sagt Steve Jobs so schön, wenn Ihr morgens in den Spiegel schaut und Euch fragt: Wenn dies mein letzter Tag wäre, würde ich ihn damit verbringen wollen, was für heute geplant ist?“ Es ist klar, dass die Antwort darauf nicht immer JA lauten kann. Beantwortet Ihr die Frage allerdings regelmässig mit nein, dann wisst Ihr, es ist Zeit etwas zu ändern.

Ich würde mich freuen, etwas über Eure Gedanken zu dem Thema zu hören.

Führt Ihr ein ausbalanciertes Leben? Ich bin für jeden Tip dankbar.

Headhunters und Personalvermittler – Zeitverschwender und schlechte Berater bei einem Berufswechsel


Und die schlechtesten Verkäufer aller Zeiten!

Denen liegt nämlich nicht das Wohl der Bewerber (in diesem Fall immerhin Kunden) am Herzen, sondern nur ihre eigene Kommission. Ich bekomme regelmäßig Anrufe von Headhuntern, das ist hier in England leider Bewerbungsalltag. So habe ich mich auf eine Stelle im Training & Development beworben, eine Einstiegsstelle, für die sicher keine Fähigkeiten benötigt werden, über die ich nicht verfüge.

Angerufen hat mich dann die Agentur, um mir eine Stelle im Verkauf anzudrehen, da ich darin ja schon so viel Erfahrung habe. Das Gespräch verlief dann irgendwie so:

Ich: Ich möchte nicht mehr im Verkauf arbeiten und ich habe mich auf eine andere Stelle beworben.
Sie: Ja, aber Sie haben doch so viel Erfahrung im Verkauf.
Ich: Ja, gerade deshalb. Verkauf entspricht nicht meiner Persönlichkeit, meinen Fähigkeiten und ich möchte lieber in den Bereich Personalwesen, was übrigens auch ein Schwerpunkt meines Studiums war.

Sie: Ja, aber Sie haben darin keine Erfahrung und außerdem werden Sie im Verkauf viel mehr Geld verdienen.

Ich: Das Geld ist mir aber nicht wichtig und ich habe sehr viele Fähigkeiten, die ich auf eine Stelle im Learning & Development anwenden könnte. Außerdem waren die Stellen, die ich bisher hatte, viel anspruchsvoller als die Stelle, auf die ich mich beworben habe. Insofern wäre dies die optimale Einstiegsstelle für mich.

Sie: Ja, das mag ja sein, aber wenn Sie keine Erfahrung darin haben, dann kann ich Ihnen nicht weiterhelfen. (Eigentlich wollte sie sagen: Das wäre zu viel Arbeit für mich und meine Kommission wäre sowieso mau).

So ging es ewig weiter, sie hat mir mindestens zehn Minuten lang versucht, diese tolle, sehr gut bezahlte Verkaufsstelle aufzureden.

Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich habe ihr eine Frage gestellt, die sie hoffentlich einmal zum Nachdenken bringen wird.

Ich:

Heißt dass, dass Sie Ihr Leben lang in diesem einen Berufsfeld arbeiten werden, nur weil Sie darin Erfahrung haben?
Und noch eine letzte Frage:
Mit welchem Gefühl gehen Sie montags zur Arbeit und wie oft zählen Sie die Stunden bis zum Wochenende?

(Da die nette Lady aber wohl zu den Käfigkarriere-Menschen gehört, hat Sie die Frage bestimmt überfordert und mit einem Augenrollen abgetan.)

Weil ich nicht so leben und arbeiten möchte, habe ich entschieden, meinen Beruf zu wechseln und ich vertraue darauf, dass ich einen Weg finde. Wenn die Firmen schon so engstirnig sind, dass sie nicht erkennen, welche wertvollen Erfahrungen Angestellte aus anderen Bereichen in eine neue Abteilung bringen werden, dann kreiere ich eben meine eigene Karriere. Ich lasse mich jedenfalls nicht wieder in einen Käfig stecken.

Ich befürchte, meine Erklärungen sind wie so oft auf Unverständnis gestoßen.

Welche Berufsgruppen sind glücklich? Und muss ich nun Frisörin werden?


Leidenschaft im Beruf

Vorgestern habe ich eine Französin kennengelernt, die ganz und gar in ihrem Job aufging. Von Neid erfüllt, habe ich ihr viele Fragen gestellt. Bei der Tony & Guy Academy habe ich sie kennengelernt. Dort geht man hin, wenn man in London kostenlos von Top Friseuren einen neuen Haarschnitt verpasst bekommen möchte. Sie war so voller Enthusiasmus und Perfektion. Vier Stunden lang hat sie eine neue Technik an mir erlernt, ohne auch nur eine Sekunde genervt zu sein.

Sie war so konzentriert und so in ihrem Element, dass ich mir dachte, das will ich auch. So eine Energie bei der Arbeit war mit fremd.

Da kam mir der Gedanke, dass wir den Jobgedanken falsch angehen. Anstatt zu überlegen, was wir wollen und was zu uns passt, denken wir darüber nach, wie viel man in den Berufen verdienen kann und wie gut die Chancen sind. Ghislaine (so hieß die Friseurin) hat mir aber das Gegenteil bewiesen. Es ist nämlich so, je mehr man seinen Job liebt, desto besser wird man und so kann man auch als Friseurin gutes Geld verdienen. Sie ist so ambitioniert, dass sie sich für die Weltmeisterschaften in den USA qualifiziert hat und hat sich sehr hohe Ziele gesteckt.

Sie ist bereit, dafür sehr hart zu arbeiten. Ihre Antwort auf meine Frage, wie man so gut wird war: „Trainieren, trainieren, trainieren“.

Da sind wir wieder bei der 10.000 Stunden Regel. Wenn man sich 10.000 Stunden lang voll und ganz einem Thema widmet, wird man Experte.

Die Begegnung hat mich auch mit der Frage konfrontiert, welches eigentlich die glücklichsten und zufriedensten Berufsgruppen sind. Ab zur Recherche. Es muss doch auch hierzu Statistiken geben.

Überrascht bei der Suche nach Statistiken hat mich, dass ich keine aktuellen gefunden habe. Wie bitte, was? Wo wir doch alles so gerne in Zahlen dokumentieren. Immerhin habe ich eine Studie aus den USA und dem Vereinigten Königreich gefunden, die allerdings auch schon ein paar Jährchen alt ist.

Friseure waren sogar unter den ersten fünf, was mich sehr überrascht hat. Gehört diese Berufsgruppe doch zu den am schlechtesten bezahlten in Deutschland.

Aber zu der Tatsache, dass die Unzufriedenheit deutscher Arbeitnehmer von Jahr zu Jahr immer mehr zunimmt, dazu gibt es viele Artikel im Internet zu finden.

Aber ich will ja zukunftsorientiert denken. Trotzdem immer wieder schön bestätigt zu werden, dass man nicht alleine mit dem Problem ist.

Ich bin es jedenfalls satt, von Leuten umgeben zu sein, die dem Wochenende entgegen fiebern und jeden Montag mit einem langen Gesicht zur Arbeit trotten.

Für mich ist das nicht normal und es kann auch nicht das Lebensziel sein, Woche für Woche hinter sich zu bringen und zu warten, bis etwas im Leben passiert.

Deshalb bin ich wohl auf der Suche nach der magischen Karriere, die mich rundum glücklich macht.

Richte ich mich dabei nach den fünf Berufsgruppen, die bei der Studie am besten abschnitten, dann bin ich schlecht bedient: Friseure, Kosmetikerinnen, Kindergärtnerinnen, Ärzte und Handwerker. Übrigens fast alles Berufe, bei denen man noch anpacken muss.  Kein einziger Beruf, der einen den ganzen Tag an einen Schreibtisch fesselt.

Am unzufriedensten sind Sekretärinnen und Menschen, die in der Verwaltung arbeiten.

Natürlich werden wir jetzt nicht alle Friseure oder Kosmetikerinnen. Aber was haben all diese Berufe gemeinsam?

–       meist außerhalb eines Büros

–       hohe Interaktion mit Menschen

–       man kann klare Resultate sehen

–       die meisten haben damit zu tun, dass man sich um Menschen kümmert

–       Klempner und Handwerker helfen ebenfalls indirekt Menschen

–       All diese Berufe haben kaum eine Kariereleiter, die bestiegen werden muss

Alle diese glücklichen Arbeitnehmer sind in Jobs tätig, in denen sie andere Menschen glücklich machen. Ist euch das aufgefallen?

Und am unglücklichsten sind Büroarbeiter, die tagtäglich daran erinnert werden, dass sie in der Firmenhierarchie ganz unten stehen.

Also ist die erste Gruppe glücklich, weil sie Mitmenschen glücklich machen und darüber ihre eigenen Sorgen vergessen.

Anderen zu helfen macht einen glücklich, ganz egal ob man dafür gut oder weniger gut bezahlt wird. Die Jobs haben einen Sinn, sie liefern Resultate, die greifbar sind.

Dadurch, dass sie glücklich sind, ist meist auch ihr Arbeitsumfeld glücklich. In Friseursalons herrscht meist eine glückliche Atmosphäre, es wird geplaudert und gelacht.

In meinem letzten Job hat morgens nicht mal jemand vom Computer aufgesehen um guten Morgen zu sagen. Geschweige denn mal danach gefragt, wie denn das Wochenende war. Unterhalten wurde sich nur per Email und meist auch nur, wenn es etwas zu meckern gab.

Wenn Ihr also wie ich bis vor kurzem in einem seelenzerstörenden Büroumfeld arbeitet und raus müsst, dann solltet Ihr anfangen, Euch Gedanken zu machen. Den richtigen Job habt Ihr gefunden, wenn Ihr aufhört in Google danach zu suchen:-)

Seht Euer Glück als genauso wichtig an wie Eure netten Kollegen, die Ihre Karriere als das wichtigste ansehen, so dass sie alles dafür tun würden.

Was sind meine Stärken? Und wie finde ich diese wieder?


„Hide not your talents. They for use were made. What’s a sundial in the shade?“  -Benjamin Franklin-

Kennt Ihr Eure Stärken?

Nun versuche ich schon seit Stunden, meine Stärken und Fähigkeiten herauszufinden. Es ist schließlich wichtig, diese zu kennen, wenn man einen Karrierewechsel vornehmen möchte.
Immerhin bin ich schon so weit, dass ich nun weiß, dass Stärken und Fähigkeiten nicht dasselbe sind.
Fähigkeiten hat man gelernt.
Stärken waren schon immer da.

Eine Eurer Stärken kann es zum Beispiel sein, dass Ihr ganz natürlich vor Menschen gut reden könnt oder dass Ihr Euch wunderbar in andere Menschen hineinversetzen könnt. Eine Stärke ist auch, wenn man organisiert ist, gut zuhören kann oder wenn man Menschen einschätzen kann. Dies sind Dinge, die Ihr nicht gelernt habt und die Euch meist gar nicht bewusst sind. Denn Ihr tut Sie ganz natürlich und sie sind für euch nicht erwähnenswert. Deshalb ist es so schwierig, die Stärken klar zu benennen. Ich garantiere Euch zu 99%, dass Ihr zuerst auf Eure zweitbeste Stärke kommt, da die erstbeste viel zu selbstverständlich für Euch ist.
Wie finde ich aber nun heraus, was wirklich meine Stärken sind?
Um die Fähigkeiten kümmern wir uns später. Einmal gelernt gehen diese nicht mehr verloren.

Umdrehen der Schwächen in Stärken

Eventuell hilft es auch, wenn Ihr zuerst Eure Schwächen herausfindet. Das fällt den meisten Menschen leichter. Welche eine Eigenschaft würdet Ihr gerne ändern? Seid Ihr vielleicht unorganisiert und seht das als eine ganz klare Schwäche? Dann betrachtet diese von einem anderen Standpunkt aus. In welcher Situation wäre Unorganisiertheit eine Stärke? Genau, bei allem, was mit Kreativität zu tun hat. Richtig, also könnte Kreativität eure Stärke sein?
Die vielen Ratgeber und Fragebögen haben mich nicht weitergebracht. Ich bin mir ziemlich im Klaren darüber, was meine Fähigkeiten sind, meine natürlichen Stärken machen mir schon mehr zu schaffen.

Frage doch einfach mal nach

Befrage Menschen, die Dich besonders gut kennen zu Deinen Stärken. Es ist wichtig, dass man mehrere Menschen befragt, sodass man zu einem bestätigten Ergebnis kommt. Eltern, der Lebensgefährte, die besten Freunde. Oder achtet einmal darauf, wofür Ihr häufig gelobt werdet.
Die Antwort zu den eigenen Stärken trägt aber jeder mit sich herum. Überlegt doch mal, was fällt Euch besonders leicht, sodass Ihr es noch nicht mal erwähnenswert findet? Geht Ihr gerne auf Menschen zu? Ist es einfach für Euch, ein Gespräch zu beginnen? Seid Ihr sehr fair? Habt Ihr ein großes Hilfsbedürfnis? Wo und in welchen Situationen fühlt Ihr Euch so richtig wohl?

Auch alte Freunde von früher können Euch Antworten zu dieser Frage geben, denn Stärken ändern sich nicht, diese sind tief in einem verwurzelt.

So kamen Sie als Kind wohl eher spielerisch zum Vorschein, aber sie waren immer da. Habt Ihr Euch schon immer für Schwächere eingesetzt? Wart Ihr vorlaut? Hattet Ihr immer etwas zu sagen? Hat man Euch als frech und unverschämt bezeichnet? Habt Ihr immer gegen Ungerechtigkeit angekämpft, egal welche Konsequenzen das für Euch hatte. Die Chancen sind, dass Ihr über die Jahre dahinerzogen wurdet, diese Eigenschaften zu untergraben, auch wenn diese durchaus als Stärken interpretiert hätten werden können. Es ist die Erziehung, die uns abrundet, die uns für das Leben und für das Leben der Gesellschaft so hinbiegt, dass wir hineinpassen.

Mein Text schlägt eine unerwartete Richtung ein. Aber genau das war ich. Aufmüpfig, immer für Gerechtigkeit und ein kleiner Nervenbeutel, der immer wieder in die Schranken gewiesen werden musste. Für Schwächere einstehen und selber einstecken.

Alte Freunde befragen, die einen von früher kennen

Nun kommt mir eine Idee. Vielleicht bekommt man am besten eine Idee über sich selbst, wenn man alte Freunde befragt, die einen heute nicht mehr so gut kennen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die eigenen Charakterzüge früher besser durchkamen als heute.

Dies führt mich zur nächsten Frage. Wie mache ich das am besten? Natürlich werden nicht alle ehrliche Antworten geben., viele werden sich vielleicht gar nicht mehr erinnern.  Ein anonymer Fragebogen wäre wohl dazu am besten geeignet.

Und schon habe ich mein Projekt für nächste Woche.

Persönlichkeitstests

Ha,ha, ich habe gerade einen dieser tollen Persönlichkeitstests gemacht und wirklich alle Fragen ehrlich beantwortet. Danach sollte ich nun Computer Programming oder Natural Science studieren.

Jeder, der mich kennt, wird jetzt vor Lachen vom Stuhl fallen. Also Schluss mit diesen blöden Tests. Wenn Ihr einen gefunden habt, der tatsächlich Eure Stärken zum Vorschein bringt, sagt mir Bescheid.

Es gibt sicher auch Tests, die tatsächlich funktionieren, aber ob diese Euch weiterbringen, das müsst Ihr selber herausfinden. Ich habe mir jetzt erst mal das Buch „StrengthsFinder 2.0“ besorgt und werde Euch über meine Erfahrung informieren.

Bis dahin versuche ich es mit der Feedback-Analyse und der Suche in mir selber.

Ein Feedback habe ich bereits erhalten und ich muss sagen, es trifft den Nagel auf den Kopf. Vielleicht muss ich das Buch dann gar nicht lesen.

Immerhin weiß man selbst am Besten, was man gut kann.

Meine Lehrer mochten mich nie. Es gab jedoch einen Lehrer, der mich sehr geschätzt hat und mich trotz meiner ständigen Widersprüche mochte und dieser Lehrer meinte einmal zu mir „Höre nicht auf zu hinterfragen und gegen den Strom zu schwimmen. Denn dann geht ein Teil von Dir verloren“.