Headhunters und Personalvermittler – Zeitverschwender und schlechte Berater bei einem Berufswechsel


Und die schlechtesten Verkäufer aller Zeiten!

Denen liegt nämlich nicht das Wohl der Bewerber (in diesem Fall immerhin Kunden) am Herzen, sondern nur ihre eigene Kommission. Ich bekomme regelmäßig Anrufe von Headhuntern, das ist hier in England leider Bewerbungsalltag. So habe ich mich auf eine Stelle im Training & Development beworben, eine Einstiegsstelle, für die sicher keine Fähigkeiten benötigt werden, über die ich nicht verfüge.

Angerufen hat mich dann die Agentur, um mir eine Stelle im Verkauf anzudrehen, da ich darin ja schon so viel Erfahrung habe. Das Gespräch verlief dann irgendwie so:

Ich: Ich möchte nicht mehr im Verkauf arbeiten und ich habe mich auf eine andere Stelle beworben.
Sie: Ja, aber Sie haben doch so viel Erfahrung im Verkauf.
Ich: Ja, gerade deshalb. Verkauf entspricht nicht meiner Persönlichkeit, meinen Fähigkeiten und ich möchte lieber in den Bereich Personalwesen, was übrigens auch ein Schwerpunkt meines Studiums war.

Sie: Ja, aber Sie haben darin keine Erfahrung und außerdem werden Sie im Verkauf viel mehr Geld verdienen.

Ich: Das Geld ist mir aber nicht wichtig und ich habe sehr viele Fähigkeiten, die ich auf eine Stelle im Learning & Development anwenden könnte. Außerdem waren die Stellen, die ich bisher hatte, viel anspruchsvoller als die Stelle, auf die ich mich beworben habe. Insofern wäre dies die optimale Einstiegsstelle für mich.

Sie: Ja, das mag ja sein, aber wenn Sie keine Erfahrung darin haben, dann kann ich Ihnen nicht weiterhelfen. (Eigentlich wollte sie sagen: Das wäre zu viel Arbeit für mich und meine Kommission wäre sowieso mau).

So ging es ewig weiter, sie hat mir mindestens zehn Minuten lang versucht, diese tolle, sehr gut bezahlte Verkaufsstelle aufzureden.

Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich habe ihr eine Frage gestellt, die sie hoffentlich einmal zum Nachdenken bringen wird.

Ich:

Heißt dass, dass Sie Ihr Leben lang in diesem einen Berufsfeld arbeiten werden, nur weil Sie darin Erfahrung haben?
Und noch eine letzte Frage:
Mit welchem Gefühl gehen Sie montags zur Arbeit und wie oft zählen Sie die Stunden bis zum Wochenende?

(Da die nette Lady aber wohl zu den Käfigkarriere-Menschen gehört, hat Sie die Frage bestimmt überfordert und mit einem Augenrollen abgetan.)

Weil ich nicht so leben und arbeiten möchte, habe ich entschieden, meinen Beruf zu wechseln und ich vertraue darauf, dass ich einen Weg finde. Wenn die Firmen schon so engstirnig sind, dass sie nicht erkennen, welche wertvollen Erfahrungen Angestellte aus anderen Bereichen in eine neue Abteilung bringen werden, dann kreiere ich eben meine eigene Karriere. Ich lasse mich jedenfalls nicht wieder in einen Käfig stecken.

Ich befürchte, meine Erklärungen sind wie so oft auf Unverständnis gestoßen.