Welche Berufsgruppen sind glücklich? Und muss ich nun Frisörin werden?


Leidenschaft im Beruf

Vorgestern habe ich eine Französin kennengelernt, die ganz und gar in ihrem Job aufging. Von Neid erfüllt, habe ich ihr viele Fragen gestellt. Bei der Tony & Guy Academy habe ich sie kennengelernt. Dort geht man hin, wenn man in London kostenlos von Top Friseuren einen neuen Haarschnitt verpasst bekommen möchte. Sie war so voller Enthusiasmus und Perfektion. Vier Stunden lang hat sie eine neue Technik an mir erlernt, ohne auch nur eine Sekunde genervt zu sein.

Sie war so konzentriert und so in ihrem Element, dass ich mir dachte, das will ich auch. So eine Energie bei der Arbeit war mit fremd.

Da kam mir der Gedanke, dass wir den Jobgedanken falsch angehen. Anstatt zu überlegen, was wir wollen und was zu uns passt, denken wir darüber nach, wie viel man in den Berufen verdienen kann und wie gut die Chancen sind. Ghislaine (so hieß die Friseurin) hat mir aber das Gegenteil bewiesen. Es ist nämlich so, je mehr man seinen Job liebt, desto besser wird man und so kann man auch als Friseurin gutes Geld verdienen. Sie ist so ambitioniert, dass sie sich für die Weltmeisterschaften in den USA qualifiziert hat und hat sich sehr hohe Ziele gesteckt.

Sie ist bereit, dafür sehr hart zu arbeiten. Ihre Antwort auf meine Frage, wie man so gut wird war: „Trainieren, trainieren, trainieren“.

Da sind wir wieder bei der 10.000 Stunden Regel. Wenn man sich 10.000 Stunden lang voll und ganz einem Thema widmet, wird man Experte.

Die Begegnung hat mich auch mit der Frage konfrontiert, welches eigentlich die glücklichsten und zufriedensten Berufsgruppen sind. Ab zur Recherche. Es muss doch auch hierzu Statistiken geben.

Überrascht bei der Suche nach Statistiken hat mich, dass ich keine aktuellen gefunden habe. Wie bitte, was? Wo wir doch alles so gerne in Zahlen dokumentieren. Immerhin habe ich eine Studie aus den USA und dem Vereinigten Königreich gefunden, die allerdings auch schon ein paar Jährchen alt ist.

Friseure waren sogar unter den ersten fünf, was mich sehr überrascht hat. Gehört diese Berufsgruppe doch zu den am schlechtesten bezahlten in Deutschland.

Aber zu der Tatsache, dass die Unzufriedenheit deutscher Arbeitnehmer von Jahr zu Jahr immer mehr zunimmt, dazu gibt es viele Artikel im Internet zu finden.

Aber ich will ja zukunftsorientiert denken. Trotzdem immer wieder schön bestätigt zu werden, dass man nicht alleine mit dem Problem ist.

Ich bin es jedenfalls satt, von Leuten umgeben zu sein, die dem Wochenende entgegen fiebern und jeden Montag mit einem langen Gesicht zur Arbeit trotten.

Für mich ist das nicht normal und es kann auch nicht das Lebensziel sein, Woche für Woche hinter sich zu bringen und zu warten, bis etwas im Leben passiert.

Deshalb bin ich wohl auf der Suche nach der magischen Karriere, die mich rundum glücklich macht.

Richte ich mich dabei nach den fünf Berufsgruppen, die bei der Studie am besten abschnitten, dann bin ich schlecht bedient: Friseure, Kosmetikerinnen, Kindergärtnerinnen, Ärzte und Handwerker. Übrigens fast alles Berufe, bei denen man noch anpacken muss.  Kein einziger Beruf, der einen den ganzen Tag an einen Schreibtisch fesselt.

Am unzufriedensten sind Sekretärinnen und Menschen, die in der Verwaltung arbeiten.

Natürlich werden wir jetzt nicht alle Friseure oder Kosmetikerinnen. Aber was haben all diese Berufe gemeinsam?

–       meist außerhalb eines Büros

–       hohe Interaktion mit Menschen

–       man kann klare Resultate sehen

–       die meisten haben damit zu tun, dass man sich um Menschen kümmert

–       Klempner und Handwerker helfen ebenfalls indirekt Menschen

–       All diese Berufe haben kaum eine Kariereleiter, die bestiegen werden muss

Alle diese glücklichen Arbeitnehmer sind in Jobs tätig, in denen sie andere Menschen glücklich machen. Ist euch das aufgefallen?

Und am unglücklichsten sind Büroarbeiter, die tagtäglich daran erinnert werden, dass sie in der Firmenhierarchie ganz unten stehen.

Also ist die erste Gruppe glücklich, weil sie Mitmenschen glücklich machen und darüber ihre eigenen Sorgen vergessen.

Anderen zu helfen macht einen glücklich, ganz egal ob man dafür gut oder weniger gut bezahlt wird. Die Jobs haben einen Sinn, sie liefern Resultate, die greifbar sind.

Dadurch, dass sie glücklich sind, ist meist auch ihr Arbeitsumfeld glücklich. In Friseursalons herrscht meist eine glückliche Atmosphäre, es wird geplaudert und gelacht.

In meinem letzten Job hat morgens nicht mal jemand vom Computer aufgesehen um guten Morgen zu sagen. Geschweige denn mal danach gefragt, wie denn das Wochenende war. Unterhalten wurde sich nur per Email und meist auch nur, wenn es etwas zu meckern gab.

Wenn Ihr also wie ich bis vor kurzem in einem seelenzerstörenden Büroumfeld arbeitet und raus müsst, dann solltet Ihr anfangen, Euch Gedanken zu machen. Den richtigen Job habt Ihr gefunden, wenn Ihr aufhört in Google danach zu suchen:-)

Seht Euer Glück als genauso wichtig an wie Eure netten Kollegen, die Ihre Karriere als das wichtigste ansehen, so dass sie alles dafür tun würden.